Heidelberg Catechism

Change editions
Latin
German
English
Dutch
Afrikaans
Russian
Ukrainian
Catechismus original 1563 German
1

[19] Was ist dein einiger trost in leben und in sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beyde in leben und in sterben a, nicht mein b, sonder meines getrewen Heilands Jesu Christi eigen bin c, der mit seinem thewren blut d, für alle meine sünden volkomlich bezalet e, und mich auß allem gwalt des Teufels erlöset hat f, und also bewaret g, daß one den willen meines Vaters im himmel, kein haar von meinem haupt kan fallen h, ja auch mir alles zu meiner seligkeit dienen muß i. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichert k, und im forthin zu leben von hertzen willig und bereit macht. l

  • a. Rom.14,8
  • b. 1.Cor.6,19
  • c. 1.Cor.3,23
  • d. 1.Pet.1,18.19
  • e. 1.Ioh.1,7. et.2,1-2
  • f. 1.Ioh.3,8
  • g. Ioh.6,38-40
  • h. Matt.10,29.31. Luc.21,18-19
  • i. Rom.8,28
  • k. 2.Cor.1,21-22. Ephes.1,13-14. Rom.8,5.16
  • l. Rom.8,14
Der erste Theil. Von des menschen elend.
2

[20] Wieviel stück seind dir nötig zu wissen, daß du in diesem trost seliglich leben und sterben mögest?

Drey stück a. Erstlich wie groß meine sünde und elend seyen b. Zum andern, wie ich von allen meinen sünden und elend erlöset werde c. Und zum dritten, wie ich Gott für solche erlösung soll danckbar sein. d

  • a. Luc.24,46-47. 1.Cor.6,11. Tit.3,3-7
  • b. Ioh.6. et.15,7
  • c. Ioh.17,3
  • d. Ephes.5,8-11
3

Woher erkennestu dein elend?

Auß dem Gesetz Gottes. e

  • e. Rom.3,20
4

Was erfordert denn das Göttlich gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer summa, [21] Matth. am 22. f Du solt lieben Gott, deinen Herren, von gantzem hertzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüth und allen krefften. Diß ist das fürnembste und das gröste Gebot: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.

  • f. Matt.22,37-40
5

Kanstu diß alles volkomlich halten?

Nein a: Denn ich bin von Natur geneigt Gott und meinen Nechsten zu hassen. b

  • a. Rom.3,5.10-12.23. 1.Ioh.1,8.10
  • b. Rom.8,7. Ephes.2,3
6

[22] Hat denn Gott den menschen also böß und verkert erschaffen?

Nein a: sonder Gott hat den menschen gut, und nach seinem ebenbild erschaffen b, das ist, in warhafftiger gerechtigkeit und heiligkeit, auff daß er Gott, seinen schöpffer, recht erkennte, und von hertzen liebte, und in ewiger seligkeit mit im lebte, in zu loben und zu preisen. c

  • a. Gen.1,31
  • b. Gen.1,26-27
  • c. 2.Cor.3,18. Colos.3,9-10. Ephes.4,22-24
7

Woher kompt denn solche verderbte art des menschen?

Auß dem fall und ungehorsam unser ersten Eltern Adams und Even im Paradeis d, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in sünden empfangen und geboren werden. e

  • d. Gen.3. Rom.5,12.18-19
  • e. Psal.51,7
8

[23] Seind wir aber dermassen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig seind zu einigem guten, und geneigt zu allem bösen?

Ja: a Es sey denn, daß wir durch den Geist Gottes widergeboren werden. b

  • a. Iohan.3,6. Iob.14,4. et 15,14.16.35. Esai.53,6
  • b. Iohan.3,6
9

Thut denn Gott dem menschen nicht unrecht, daß er in seinem gesetz von im fordert, das er nicht kan thun?

Nein: c Denn Gott hat den menschen also erschaffen, daß er es kondte thun: der mensch aber hat sich und alle seine nachkommen, auß anstiftung des Teufels, durch mutwilligen ungehorsam derselbigen gaben beraubt.

  • c. Ephes.4,24
10

Wil Gott solchen ungehorsam und abfall ungestrafft lassen hingehen?

Mit nichten: d sonder er zürnet schrecklich, beyde [24] uber angeborne und würckliche sünden, und will sie auß gerechtem urtheil zeitlich und ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem buch des Gesetzes, daß ers thue. a

  • d. Rom.5,12. Heb.9,27-28
  • a. Deut.27,26. Galat.3,10
Der ander Theil. Von deß Menschen Erlösung.
11

Ist denn Gott nicht auch barmhertzig?

Gott ist wol barmhertzig b, er ist aber auch gerecht c, derhalben erfordert seine gerechtigkeit, daß die sünde, welche wider die allerhöchste maiestet Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das [25] ist, der ewigen straff an leib und seel gestrafft werde.

  • b. Exo.34,6-7
  • c. Exo.20,5. Psal.5,5-6. 2.Cor.6,14-16
12

Dieweil wir denn nach dem gerechten urtheil Gottes zeitliche und ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, und widerumb zu gnaden kommen?

Gott will daß seiner gerechtigkeit genug geschehe a, derwegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst, oder durch einen andern volkomene bezalung thun. b

  • a. Exo.20,5. et 23,7
  • b. Rom.8,3-4
13

Können wir aber durch uns selbst bezalung thun?

Mit nichten: sonder wir machen auch die schuldt noch teglich grösser. c

  • c. Iob.9,2-3. et 15,15-16. Matt.6,12
14

Kan aber irgendt eine blosse Creatur für uns bezalen?

Keine: Denn erstlich wil [26] Gott an keiner andern Creatur straffen, das der mensch verschuldet hat a. Zum andern, so kan auch kein blosse Creatur den last des ewigen zorns Gottes wider die sünde ertragen, und andere davon erlösen. b

  • a. Hebr.2,14-18
  • b. Psal.130,3
15

Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein warer c, und gerechter mensch d, und doch stercker denn alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott sey. e

  • c. 1.Cor.15,21-26
  • d. Iere.33,16. Psal.53,11. 2.Cor.5,14-16.21. Heb.7,15-17
  • e. Esai.7,14. Rom.8,3-4. Iere.23,6
16

Warumb muß er ein warer und gerechter mensch sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit Gottes erfordert f, daß die menschliche natur, die gesündiget hat, für die sünde bezale: und aber einer, der selbst ein sünder were, nicht köndte für andere bezalen. g

  • f. Rom.5,12.15
  • g. 1.Pet.3,18. Esai.53,3-5
17

[27] Warumb muß er zugleich warer Gott sein?

Daß er auß krafft seiner Gottheit, den laßt des zorns Gottes, an seiner menschheit ertragen a, und uns die gerechtigkeit, und daß leben erwerben b, und widergeben möchte. c

  • a. Esai.53,8. Act.2,24. 1.Pet.3,18
  • b. Ioh.3,16. Act.20,28
  • c. Iohan.1,2
18

Wer ist aber derselbe mittler, der zugleich warer Gott, und ein warer, gerechter mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus d, der uns zur volkommenen erlösung und gerechtigkeit geschenckt ist. e

  • d. Matt.1,23. 1.Tim.3,16. Luc.2,11
  • e. 1.Cor.1,30
19

Woher weistu das?

Auß dem heiligen Evangelio, welchs Gott selbst anfenglich im Paradeis [28] f hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzväter a und Propheten lassen verkündigen, und durch die opffer und andere ceremonien des gesetzes fur gebildet b, Endlich aber durch seinen eingeliebten Son erfüllet. c

  • f. Gen.3,15
  • a. Gen.22,18. et 49,10-11. Rom.1,1-4. Heb.1,1-2. Act.3,22-24. et 10,43
  • b. Ioh.5,46. Heb.10,7
  • c. Rom.10,4. Gala.4,4-5
20

Werden denn alle menschen widerumb durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sonder allein die jenigen, die durch waren glauben im werden eingeleibet, und alle seine wolthaten annemen. d

  • d. Ioh.1,12-13. Esai.53,11. Psal.2,12. Rom.11,20. Heb.4,2-3. et 10,39
21

Was ist warer glaub?

Es ist nicht allein ein gewisse erkanntnuß, dardurch ich alles für war halte, was uns Gott in seinem wort hat offenbaret e: sonder auch ein hertzliches vertrawen f, welches der heilige geist g durchs Evangelium in mir [29] würcket h, daß nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der sünden, ewige gerechtigkeit und seligkeit von Gott geschenckt sey a, auß lauter gnaden, allein umb des verdiensts Christi willen. b

  • e. Hebr.11,1-3. Iacob.2,19
  • f. Rom.5,1. et 10,10
  • g. 2.Cor.4,13. Ephes.2,8
  • h. Rom.1,16
  • a. Heb.2. Rom.1,17
  • b. Ephes.2,7-9. Rom.3,24-25
22

Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles was uns im Evangelio verheissen wirt c, welchs uns die Artickel unsers algemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer summa lehren.

  • c. Ioh.20,31. Matt.28,20
23

Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himmels und der erden.
Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Son unsern [30] HERRN, der empfangen ist von dem heiligen geist, geboren auß Maria, der Jungfrawen, gelitten under Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hellen, am dritten tage wider auferstanden von den todten, auffgefaren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes des allmechtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die lebendigen und die todten.
Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der sünden, aufferstehung des fleisches, und ein [31] ewigs leben.

24

Wie werden diese Artickel abgetheilt?

In drey theil. Der erst ist von Gott dem Vater, und unser erschöpffung. Der ander von Gott dem Son, und unser erlösung. Der dritt von Gott dem heiligen Geist, und unser heiligung.

25

Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ist a: warumb nennestu drey, den Vater, Son und heiligen Geist?

Darumb daß sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hat b, daß diese drey underschiedliche Personen, der einig warhafftig ewig Gott seind.

  • a. Deut.6,4
  • b. Esai.61,1. Psal.110,1. Matt.3,16-17. et 28,19. 1.Ioh.5,7
26

[32] Was glaubestu, wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himmels und der erden?

Daß der ewig Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erden sampt allem was drinnen ist, auß nichts erschaffen a, auch dieselbigen noch durch seinen ewigen rhat und fürsehung erhelt und regieret b: umb seines Sons Christi willen, mein Gott und mein Vater sey c, auff welchen ich also vertrawe, daß ich nicht zweiffel, er werde mich mit aller notdurfft leibs und der seelen versorgen d, auch alles ubel, so er mir in diesem jamerthal zuschicket, mir zugut wenden e: dieweil ers thun kan, als ein almechtiger Gott f: und auch thun will als ein getrewer Vater. g

  • a. Gen.1. Psal.33,6
  • b. Psal.104,2-5. Matt.10,29-30. Heb.1,3. Psal.115,3
  • c. Ioh.1,12. Rom.8,15. Gal.4,5-6. Ephes.1,5
  • d. Psal.55,23. Matt.6,25-26. Luc.12,22-24
  • e. Rom.8,28
  • f. Rom.10,12
  • g. Matt.6,23. et 7,9
27

Was verstehestu durch die fürsehung Gottes?

Die allmechtige und gegenwertige krafft Gottes h, durch welche er himmel und erde, sampt allen Creaturen, gleich als mit seiner hand [33] noch erhelt i, und also regiert, daß laub und graß, regen und dürre, fruchtbare und unfruchtbare jar, essen und trincken a, gesundheit und kranckheit b, reichthumb und armut c, und alles, nicht one gefehr, sonder von seiner väterlichen hand uns zukomme.

  • h. Act.17,25-28
  • i. Heb.1,2-3
  • a. Iere.5,23-24. Act.14,17
  • b. Ioh.9,3
  • c. Prov.22,2
28

Was für nutz bekommen wir auß erkanntnuß der schöpffung und fürsehung Gottes?

Das wir in aller widerwertigkeit gedultig d, in glückseligkeit danckbar e, und auffs zukünfftig guter zuversicht zu unserm getrewen Gott und Vater sein sollen, daß uns keine Creatur von seiner liebe scheiden wird f, dieweil alle Creaturen also in seiner hand sind, daß sie sich one seinen willen auch nicht regen noch bewegen können. g

  • d. Rom.5,3. Iacob.1,3. Iob.1,21-22
  • e. Deut.8,10. 1.Thess.5,18
  • f. Rom.8,38-39
  • g. Iob.1,12. Act.17,25-28. Prov.21,1
29

[34] Warumb wirdt der Son Gottes Jesus, das ist, seligmacher genannt?

Darumb daß er uns selig macht von unsern sünden a, und daß bey keinem andern einige seligkeit zu suchen noch zu finden ist. b

  • a. Matt.1,21
  • b. Act.4,11-12
30

Glauben denn die auch an den einigen seligmacher Jesum, die ire seligkeit und heil bey heiligen, bey inen selbst, oder anderstwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rhümen c. Denn entweder Jesus nit ein volkommener heiland sein muß: oder die diesen Heiland mit warem glauben annemen, müssen alles in im haben, daß zu irer seligkeit vonnöten ist. d

  • c. 1.Cor.1,13.30-31. Gala.3
  • d. Esai.9,6. Col.1,19-20. et 2,10. Ioh.1,16
31

[35] Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genannt?

Daß er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen geist a gesalbet ist, zu unserm öbersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen rhat und willen Gottes von unser erlösung volkomlich offenbaret b: Und zu unserem einigen hohen Priester, der uns mit dem einigen opffer seines leibs erlöset hat, und imerdar mit seiner fürbit für dem Vater vertrit c: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem wort und Geist regiert d, und bey der erworbenen erlösung schützet und erhelt.

  • a. Hebr.1,9
  • b. Psal.110,4. Hebr.7,21. Rom.8,34
  • c. Psa.2,6. Luc.1,33
  • d. Rom.5,9-10. Matt.28,18
32

Warumb wirst aber du ein Christ genennt?

Daß ich durch den glauben ein glied Christi e, und also seiner salbung theilhafftig bin f, auff daß auch ich seinen Namen bekenne g, mich im zu einem lebendigen danckopffer darstelle h, [36] und mit freyem gewissen in diesem leben wider die sünde und Teufel streite, und her nach in ewigkeit mit im uber alle Creaturen hersche.

  • e. Act.11,25-26. 1.Ioh.2,27
  • f. Act.2,17. Ioel.2,28. Mar.8,38
  • g. Rom.12,1. Apoc.5,8.10
  • h. Rom.6,12. Apoc.1,6
33

Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch kinder Gottes sind?

Darumb daß Christus allein der ewig, natürlich Son Gottes ist a: wir aber umb seinetwillen auß gnaden zu kindern Gottes angenommen sind. b

  • a. Ioh.1,14.18. Heb.1,2
  • b. Rom.8,15-17. Ephes.1,5.9
34

Warumb nennestu in unsern Herrn?

Daß er uns mit leib und seel von der sünden, und auß allem gewalt des Teufels, nicht mit golt oder silber, sonder mit seinem thewern Blut, ihm zum eigenthumb erlöset und erkaufft hat. c

  • c. 1.Pet.1,18-19. et 2,9. 1.Cor.6,20
35

[37] Was heist, daß er empfangen ist von dem heiligen Geist, geborn auß Maria der Jungfrawen?

Daß der ewige Son Gottes, der warer und ewiger Gott ist a und bleibet b, ware menschliche natur, auß dem fleisch und blut der Jungfrawen Maria c, durch würckung des heiligen Geistes an sich genomen hat d, auff daß er auch der ware samen Davids sey e, seinen brüdern in allem gleich f, außgenommen die sünde. g

  • a. Ioh.1,1. Rom.1,3-4
  • b. Rom.9,5. Gal.4,4-5
  • c. Iohan.1,14
  • d. Matt.1,18-20. Luc.1,35. Ephes.1,19-22
  • e. Psal.132,11. Rom.1,3
  • f. Phil.2,7
  • g. Heb.4,15
36

Waß nutz bekomestu auß der heiligen empfengnuß und geburt Christi?

Daß er unser mittler ist, und mit seiner unschuld und volkommenen heiligkeit meine sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes angesicht bedecket. h

  • h. Psal.32,1-2. 1.Cor.1,30-31
37

Was verstehestu durch das wörtlein gelitten?

[38] Daß er an leib und seel, die gantze zeit seines lebens auff erden, sonderlich aber am ende desselben, den zorn Gottes wider die sünde des gantzen menschlichen geschlechts getragen hat a, auff daß er mit seinem leiden, als mit dem einigen sönopffer b, unser leib und seel von der ewigen verdamnuß erlösete, und uns Gottes Gnade, gerechtigkeit und ewiges leben erwürbe.

  • a. 1.Pet.2,24. Esai.53,12
  • b. 1.Ioh.2,2. et 4,10. Rom.3,25-26
38

Warumb hat er under dem richter Pontio Pilato gelitten?

Auff daß er unschuldig under dem weltlichen richter verdamt würde c, und uns damit von dem strengen urtheil Gottes, das uber uns gehen solte, erlediget. d

  • c. Luc.23,13-15. Ioh.19,4
  • d. Psal.69,5. Esai.53,4-5. 2.Cor.5,21. Gal.3,13
39

Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern todes gestorben were?

Ja, [39] Denn dardurch bin ich gewiß, daß er die vermaledeyung, die auff mir lage, auff sich geladen habe a, Dieweil der tod des Creutzes von Gott verflucht war. b

  • a. Galat.3,13-14
  • b. Deut.21,23. Galat.3,13
40

Warumb hat Christus den tod müssen leiden?

Darumb, daß von wegen der gerechtigkeit und warheit c Gottes, nicht anderst für unsere sünden möchte bezalet werden, denn durch den todt des Sons Gottes. d

  • c. Gen.2,17
  • d. Heb.2,9.14-15
41

Warumb ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhafftig gestorben sey. e

  • e. Mat.27,59-60. Luc.23,52-53. Ioh.19,38-42. Act.13,29
42

[40] Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kompts, daß wir auch sterben müssen?

Unser tod ist nit ein bezalung für unsere sünd: sonder nur ein absterbung der sünden, und eingang zum ewigen leben. a

  • a. Ioh.5,24. Phil.1,23. Rom.7,24-25
43

Was bekommen wir mehr für nutz auß dem opffer und todt Christi am Creutz?

Daß durch seine krafft unser alter mensch mit im gecreutziget, getödtet und begraben wird b, auff daß die bösen lüste des fleisches nicht mehr in uns regieren c, sonder daß wir uns selbst ihm zur dancksagung aufopfern. d

  • b. Rom.6,6-7.11. Coloss.2,12
  • c. Rom.6,12
  • d. Rom.12,1
44

Warumb folget abgestiegen zu der hellen?

Daß ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein HERR Christus habe mich durch seine unaußsprechliche angst, schmertzen und schrecken, [41] die er auch an seiner seelen, am Creutz und zuvor erlitten, von der hellischen angst und pein erlöset. a

  • a. Esai.53,10. Mat.27,46
45

Was nützet uns die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Aufferstehung den tod uberwunden, daß er uns der gerechtigkeit, die er uns durch seinen todt erworben hat, köndte theilhafftig machen b. Zum andern werden auch wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen leben c. Zum dritten ist uns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfand unserer seligen aufferstehung. d

  • b. 1.Cor.15,16-17.54-55. Rom.4,25. 1.Pet.1,3-5.21
  • c. Rom.6,4. Coloss.3,1-4. Ephes.2,5
  • d. 1.Cor.15,12-14. Rom.8,11
46

Wie verstehestu daß er ist gen himmel gefaren?

Daß Christus für den augen seiner jünger, ist von der erden auffgehaben gen himmel e, und uns zu gut daselbst ist f, biß daß [42] er widerkompt zu richten die lebendigen und die todten. a

  • e. Act.1,9. Mat.26,64. Mar.16,19. Luc.24,51
  • f. Hebr.4,14. et 7,24-25. et 9,11. Rom.8,34. Ephes.4,10. Coloss.3,1-2
  • a. Act.1,11. Mat.24,30
47

Ist denn Christus nit bey uns biß ans ende der welt, wie er uns verheissen hat? b

Christus ist warer Mensch und warer Gott: Nach seiner menschlichen natur, ist er jetzunder nicht auff erden c: aber nach seiner gottheit, Maiestet, genad und Geist, weicht er nimmer von uns. d

  • b. Mat.28,20
  • c. Mat.26,11. Ioh.16,28. et 17,11. Act.3,21
  • d. Ioh.14,16-17. et 16,13. Mat.28,20. Ephes.4,8
48

Werden aber mit der weiß die zwo naturen in Christo nit von einander getrennet, so die menscheit nicht uberal ist, da die gottheit ist?

Mit nichten: Denn weil die gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwertig ist e: so muß folgen, daß sie wol ausserhalb irer angenommenen menschheit, und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und personlich mit ir vereiniget bleibt. f

  • e. Act.7,49. Iere.23,24
  • f. Coloss.2,9. Ioh.3,10. et 11,15. Mat.28,6
49

[43] Was nützet uns die Himmelfart Christi?

Erstlich, daß er im himmel für dem angesicht seines vaters, unser fürsprecher ist a. Zum andern, daß wir unser fleisch im himmel zu einem sichern pfand haben, daß er als das haupt, uns seine glieder, auch zu sich werde hinauff nehmen b. Zum dritten, daß er uns seinen Geist zum gegenpfandt herab sendet c, durch welches krafft wir suchen was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, und nicht das auff erden ist. d

  • a. 1.Ioh.2,1. Rom.8,34
  • b. Ioh.14,2. et 20,17. Ephes.2,6
  • c. Ioh.14,16. Act.2,33. 2.Cor.1,22. et 5,5
  • d. Coloss.3,1. Phil.3,20-21
50

Warumb wird hinzu gesetzt, daß er sitze zur rechten Gottes?

Daß Christus darumb gen himmel gefaren ist, daß er sich daselbst erzeige, als das haubt seiner Christlichen kirchen e, durch welches der Vater alles regiert. f

  • e. Ephes.1,20-23. Coloss.1,18
  • f. Mat.28,18. Ioh.5,22
51

[44] Was nützet uns diese herrligkeit unsers haupts Christi?

Erstlich daß er durch seinen heiligen Geist, in uns seine glieder, die himlischen gaben außgeust a. Darnach, daß er uns mit seinem gewalt wider alle feind schützet und erhelt. b

  • a. Ephes.4,10-12
  • b. Psal.2,9. Ioh.10,28-30. Ephes.4,8
52

Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen und die todten?

Daß ich in allem trübsal und verfolgung mit auffgerichtem haupt, eben des Richters der sich zuvor dem gericht Gottes für mich dargestelt, und alle vermaledeiung von mir hinweg genomen hat, auß dem himmel gewertig bin c, daß er alle seine und meine feinde, in die ewige verdamnuß werffe d: mich aber sampt allen außerwelten zu ihm in die himlische freud und herrligkeit neme. e

  • c. Luc.21,28. Rom.8,23-24. Phil.3,20-21. Tit.2,13
  • d. 2.Thess.1,6-10. 1.Thess.4,16-17. Mat.25,41-43
  • e. Mat.25,34-36
53

Was glaubstu vom heiligen geist?

Erstlich daß er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Son ist a. Zum andern, daß er auch mir gegeben ist b, mich durch ein waren glauben, Christi und aller seiner wolthaten theilhafftig machet c, mich tröstet d, und bey mir bleiben wird biß in ewigkeit. e

  • a. Gen.1,2. Esai.48,16. 1.Cor.3,16. 1.Cor.6,19. Act.5,3-4
  • b. Matt.28,19. 2.Cor.1,21-22
  • c. Galat.3,14. 1.Pet.1,1-2. 1.Cor.6,17
  • d. Act.9,31
  • e. Ioh.14,16. 1.Pet.4,14
54

Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Son Gottes f auß dem gantzen menschlichen geschlecht g, ihm ein außerwelte gemein zum ewigen leben h, durch sein Geist und wort i in einigkeit des waren glaubens k, von anbegin der welt, biß ans end l versamle, schütze und erhalte m und daß ich derselben ein lebendiges glied bin n und ewig bleiben werde. o

  • f. Ioh.10,11
  • g. Gen.26,4
  • h. Rom.8,29-30. Ephes.1,10-13
  • i. Esai.59,21. Rom.1,16. et 10,14-17
  • k. Ephes.5,26
  • l. Psal.71,18. 1.Cor.11,25
  • m. Mat.16,18. Ioh.10,28-30. 1.Cor.1,8
  • n. 1.Ioh.3,21
  • o. 1.Ioh.2,19
55

[46] Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede glaubigen, als glieder an dem HERRN Christo, und allen seinen schetzen und gaben, gemeinschafft haben a. Zum andern, daß ein jeder seine gaben zu nutz und heil der andern glieder, willig und mit freuden anzulegen sich schuldig wissen sol. b

  • a. 1.Ioh.1,3. 1.Cor.1,9. Rom.8,32
  • b. 1.Cor.12,12-13.21. et 13,5-6. Phil.2,4-6
56

Was glaubstu von vergebung der Sünden?

Daß Gott umb der gnugthuung Christi willen c, aller meiner sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein leben lang zu streiten habe d, nimmermehr gedencken wil: sonder mir die gerechtigkeit Christi auß gnaden schencket, daß ich ins gericht nimmermehr soll kommen. e

  • c. 1.Ioh.2,2. 2.Cor.5,19.21
  • d. Iere.31,34. Psal.103,3-4.10.12. Rom.7,20.25. et 8,1-4
  • e. Ioh.3,18
57

[47] Was tröst dich die aufferstehung des fleisches?

Daß nicht allein meine seel nach diesem leben als bald zu Christo irem haupt genommen wird a: sonder auch daß diß mein fleisch durch die krafft Christi aufferweckt, wider mit meiner seelen vereiniget, und dem heiligen leib Christi gleichförmig werden sol. b

  • a. Luc.23,43. Phil.1,21-23
  • b. 1.Cor.15,53-54. Iob.19,25-27. 1.Ioh.3,2. Phil.3,21
58

Was tröst dich der Artickel vom ewigen leben?

Daß, nachdem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem hertzen empfinde c, ich nach diesem leben volkommene seligkeit besitzen werde, die kein aug gesehen, kein ohr gehöret, und in keines menschen hertz nie komen ist d, Gott ewiglich darin zu preisen. e

  • c. 2.Cor.5,2-3
  • d. 1.Cor.2,9
  • e. Ioh.17,3
59

[48] Was hilfft es dich aber nun, wenn du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht, und ein erb des ewigen lebens bin. a

  • a. Habac.2,4. Rom.1,17. Ioh.3,36
60

Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren glauben in Jesum Christum b. Also: daß ob mich schon mein gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebot Gottes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten hab c, auch noch imerdar zu allem bösen geneigt bin d: doch Gott ohn alle meine verdienst e, auß lauter gnaden f, mir die volkommene gnugthuung g, gerechtigkeit und heiligkeit Christi schencket h und zurechnet i, als hette ich nie keine sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet k, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigen hertzen anneme. a

  • b. Rom.3,21-28. Galat.2,16. Ephes.2,8-9 Phil.3,9
  • c. Rom.3,9
  • d. Rom.7,23
  • e. 2.Tim.3,5
  • f. Rom.3,24. Ephes.2,8
  • g. 1.Ioh.2,2
  • h. 1.Ioh.2,1
  • i. Rom.4,4-5. 2.Cor.5,19
  • k. 2.Cor.5,21
  • a. Rom.3,22. Ioh.3,18
61

[49] Warumb sagstu, daß du allein durch den glauben gerecht seyest?

Nicht daß ich von wegen der wirdigkeit meines glaubens Gott gefalle: sondern darumb, daß allein die gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christi meine gerechtigkeit für Gott ist b, und ich dieselbe nicht anderst, denn allein durch den glauben annemen, und mir zueignen kan. c

  • b. 1.Cor.1,30-31. et 2,2
  • c. 1.Ioh.5,10-11
62

Warumb können aber unsere gute werck nit die gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselben sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit, so für Gottes gericht bestehen sol, durchauß volkomen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig sein muß d, und aber auch unsere beste werck in disem leben alle unvolkomen, und mit sünden befleckt sind. e

  • d. Galat.3,10. Deut.27,26
  • e. Esai.64,6
63

[50] Verdienen aber unsere gute werck nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünfftigen leben wil belohnen?

Die belohnung geschicht nit auß verdienst, sonder auß gnaden. a

  • a. Luc.17,10
64

Macht aber diese lehre nicht sorglose und verruchte leut?

Nein, Denn es unmöglich ist, daß die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nit frucht der danckbarkeit sollen bringen. b

  • b. Matt.7,18
65

[51] Dieweil denn allein der glaub uns Christi, und aller seiner wolthaten theilhafftig macht: woher kompt solcher glaube?

Der heilig Geist würcket denselben in unsern hertzen a, durch die predig des heiligen Evangelions, und bestetiget den durch den brauch der heiligen Sacramenten. b

  • a. Ephes.2,8-9. Ioh.3,5
  • b. Mat.28,19-20. 1.Pet.1,22-23
66

Was seind die Sacrament?

Es seind sichtbare heilige warzeichen und Sigill, von Gott darzu eingesetzt, daß er uns durch den brauch derselben, die verheissung des Evangelions desto besser zuverstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß er uns von wegen des einigen opffers Christi, am Creutz volbracht, vergebung der sünden, und ewiges leben auß gnaden schencke. c

  • c. Gen.17,11. Rom.4,11. Deut.30,6. Levit.6,25. Heb.9,8-9.24. Ezech.20,12
67

[52] Seind denn beyde das wort und die Sacrament dahin gericht, daß sie unsern glauben auff das opffer Jesu Christi am Creutz, als auff den einigen grund unserer seligkeit weisen?

Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Evangelio, und bestetiget durch die heiligen Sacrament, daß unsere gantze seligkeit stehe in dem einigen opffer Christi, für uns am Creutz geschehen. a

  • a. Rom.6,3. Galat.3,26-27
68

Wieviel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey: Den heiligen Tauff, und das heilig Abendmal.

69

Wie wirstu im heiligen Tauff erinnert und versichert, daß das einege opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

Also: daß Christus diß eusserlich wasserbad eingesetzt, und darbey verheissen hat, daß ich so gewiß mit seinem blut und geist, von der unreinigkeit meiner [53] seelen, das ist, allen meinen sünden gewasschen sey, so gewiß ich eusserlich mit dem wasser, welches die unsauberkeit des leibs pflegt hinzunemen, gewaschen bin. a

  • a. Mar.1,4. Luc.3,3
70

Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewasschen sein?

Es heist vergebung der sünden von Gott auß gnaden haben, umb des bluts Christi willen, welches er in seinem opffer am Creutz für uns vergossen hat b: Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, und zu einem glied Christi geheiliget sein, daß wir je lenger je mehr der sünden absterben, und in einem Gottseligen, unstreflichen leben wandlen. c

  • b. Hebr.12,24. 1.Pet.1,1-2. Apoc.1,5. Zach.13,1. Ezech.36,25-27
  • c. Ioh.1,33. Ioh.3,5. 1.Cor.6,11 et 12,13. Rom.6,4. Coloss.2,11-12
71

Wo hat Christus verheissen, daß wir so gewiß mit seinem blut und geist als mit dem tauffwasser gewasschen seind?

In der einsetzung [54] des Tauffs, welche also lautet. Gehet hin, und lehret alle Völcker, und tauffet sie, im namen des Vaters und des Sons, und des heiligen Geists a: wer da glaubet und getauffet wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubt, der wird verdampt werden. b Diese verheissung wirdt auch widerholet, da die schrifft den Tauff das bad der widergeburt c, und abwasschung der sünden nennet. d

  • a. Mat.28,19
  • b. Mar.16,16
  • c. Tit.3,5
  • d. Act.22,16
72

Ist denn das eusserlich wasserbad, die abwasschung der sünden selbst?

Nein e, Denn allein das blut Jesu Christi, und der heilige Geist reiniget uns von allen sünden. f

  • e. Mat.3,11. 1.Pet.3,21. Ephes.5,26-27
  • f. 1.Ioh.1,7. 1.Cor.6,11
73

[55] Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das bad der widergeburt, und die abwasschung der sünden?

Gott redet also nit one grosse ursach: Nemlich, nit allein daß er uns damit wil lehren, daß, gleich wie die unsauberkeit des leibs durch wasser, also unsere sünden durchs blut und geist Christi hinweg genomen werden a: sonder viel mehr, daß er uns durch diß Göttlich pfand und warzeichen wil versichern, daß wir so warhafftig von unsern sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen wasser gewaschen werden. b

  • a. Apoc.1,5 et 7,14. 1.Cor.6,11
  • b. Marc.16,16. Galat.3,17
74

Sol man auch die jungen kinder tauffen?

Ja: Denn dieweil sie so wol als die alten in den Bundt Gottes und seine gemein gehören c, und ihnen in dem blut Christi die erlösung von sünden d und der heilig Geist, welcher den glauben würcket, nit weniger denn den alten zugesagt wird e: [56] so sollen sie auch durch den tauff, als des Bunds zeichen der Christlichen Kirchen eingeleibt, und von der unglaubigen kinder underscheiden werden a, wie im alten Testament durch die beschneidung geschehen ist b, an welcher stat im newen Testament der Tauff ist eingesetzt. c

  • c. Gen.17,7
  • d. Matt.19,14
  • e. Luc.1,14-15. Psal.22,11. Esai.46,1.5. Act.2,39
  • a. Act.10,47
  • b. Gen.17,14
  • c. Coloss.2,11-13
75

Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert und versichert, daß du an dem einigen opffer Christi am Creutz, und allen seinen gütern gemeinschafft habest?

Also, daß Christus mir und allen glaubigen von diesem gebrochnen brod zu essen, und von diesem kelch zu trincken befohlen hat, und darbey verheissen, Erstlich daß sein leib so gewiß für mich am Creutz geopffert und gebrochen, und sein blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit augen sehe, daß das brod des HERRN mir [57] gebrochen, und der kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine seel mit seinem gecreutzigten leib und vergossnen blut so gewiß zum ewigen leben speise und trencke, als ich auß der hand des Dieners empfange, und leiblich niesse das brod und den Kelch des HERRN, welche mir als gewisse warzeichen des leibs und bluts Christi gegeben werden.

76

Was heist den gecreutzigten leib Christi essen, und sein vergossen blut trincken?

Es heist nit allein mit glaubigem hertzen das gantze leiden und sterben Christi annemen, und dardurch vergebung der sünden und ewiges leben bekommen: a Sonder auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wonet, also mit seinem gebenedeyten leib je mehr und mehr vereiniget werden b: daß wir, ob gleich er im himmel c und wir auff erden sind: dennoch [58] fleisch von seinem fleisch, und bein von seinen beinen sind a, und von einem geist (wie die glieder unsers leibs von einer seelen) ewig leben und regieret werden. b

  • a. Ioh.6,35.47-48.50-54
  • b. Ioh.6,55-56
  • c. Act.3,21. 1.Cor.11,26
  • a. Ephes.3,16-17. et 5,29-30.31. 1.Cor.6,15-16.19. 1.Ioh.3,24. et 4,13. Ioh.14,23
  • b. Ioh.6,56-58. et 15,1-6. Ephes.4,15-16
77

Wo hat Christus verheissen, daß er die glaubigen so gewiß also mit seinem leib und blut speise und trencke, als sie von diesem gebrochnen brod essen, und von diesem kelch trincken?

In der einsatzung des Abendmals, welche also lautet c: Unser HERR Jesus, in der nacht da er verrhaten ward, nam er das brodt, dancket und brachs und sprach, Nemet, esset, das ist mein leib, der für euch gebrochen wirdt, Solchs thut zu meiner gedechtnuß. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendtmal, [59] und sprach: Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem blut, solches thut, so offt irs trincket, zu meiner gedechtnuß: Denn so offt ir von diesem brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt ir des HERREN todt verkündigen, biß daß er kompt. Und diese verheissung wirdt auch widerholet durch S. Paulum a, da er spricht: Der Kelch der dancksagung, damit wir dancksagen, ist er nit die gemeinschafft des bluts Christi? Das brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft des leibs Christi? Denn ein brod ists, so seind wir viel ein leib, dieweil wir alle eines brods theilhafftig seind.

  • c. 1.Cor.11,23-25. Mat.26,26-28. Mar.14,22-24. Luc.22,19-20
  • a. 1.Cor.10,16-17
78

[60] Wird denn auß brod und wein der wesentlich leib und blut Christi?

Nein: sonder wie das wasser in dem Tauff, nit in daß blut Christi verwandlet, oder die abwasschung der sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich warzeichen und versicherung ist a: also wirdt auch daß heilig brod im Abendmal nit der leib Christi selbst b, wiewol es nach art und brauch der Sacramenten, c der leib Christi genennet wird.

  • a. Mat.26,29. Mar.14,24
  • b. 1.Cor.10,16-17 et 11,26-28
  • c. Gen.17,10-11.14.19. Exod.12,26-27.43.48. Tit.3,5. 1.Pet.4. 1.Cor.10,1-4
79

Warumb nennet denn Christus das brod seinen leib, und den Kelch sein blut, oder das newe Testament in seinem blut, und S. Paulus, die gemeinschafft des leibs und bluts Jesu Christi?

Christus redet also nit ohne grosse ursach. Nemlich, daß er uns nit allein damit wil lehren, daß, gleich wie brod und wein das zeitliche leben erhalten, also sey auch sein gecreutzigter leib und vergossen blut, die ware speiß und tranck unserer [61] seelen, zum ewigen leben a: sonder viel mehr daß er uns durch diß sichtbare zeichen und pfand wil versichern, daß wir so warhafftig seines waren leibs und bluts durch wirckung des heiligen Geists theilhafftig werden, als wir diese heilige warzeichen, mit dem leiblichen mund zu seiner gedechtnuß empfangen b: und daß all sein leiden und gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hetten wir selbst in unser eigen person alles gelitten und gnug gethan.

  • a. Ioh.6,51.55
  • b. 1.Cor.10,16-17
80

Was ist für ein underscheid zwischen dem Abendmal des HERRN, und der Bäpstlichen Meß?

Das Abendmal bezeuget uns, daß wir volkomene vergebung aller unser sünden haben, durch das einige opffer Jesu Christi, so er selbst einmal am creutz volbracht hat c. Und daß wir durch den H. Geist Christo werden eingeleibt d, der jetzund mit seinem waren leib im himmel zur Rechten [62] des Vaters ist e, und daselbst wil angebettet werden a. Die Meß aber lehret, daß die lebendigen und die todten nicht durch das leiden Christi vergebung der sünden haben, es sey denn daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopffert werde. Und daß Christus leiblich under der gestalt brots und weins sey, und derhalben darin soll angebettet werden b. Und ist also die Meß im grund nichts anders, denn ein verleugnung des einigen opffers und leidens Jesu Christi, und ein vermaledeite Abgötterey.

  • c. Heb.7,26. et 9,12.25-28 et 10,10.12-14. Ioh.19,30. Matt.26,28. Luc.22,19-20
  • d. 1.Cor.6,17. et 10,16-17
  • e. Heb.1,3 et 8,1-2
  • a. Ioh.4,21-24 et 20,17. Luc.24,52-53. Act.7,55-56. Coloss.3,1. Phil.3,20-21. 1.Thess.1,9-10
  • b. In Canone de Missa. Item De consecratione distinctio 2,42
81

Welche sollen zu dem Tisch des HERREN kommen?

Die inen selbst umb irer sünden willen mißfallen, und doch vertrawen, daß dieselbige ihnen verziehen und die ubrige schwachheit mit dem leiden und sterben Christi bedeckt sey, begeren auch, je mehr und mehr ihren glauben zu stercken und ir leben zu bessern. Die unbußfertigen aber und heuchler, essen und trincken [63] inen selbst das gericht. c

  • c. 1.Cor.10,19-21. et 11,28-29
82

Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden, die sich mit irer bekanndtnuß und leben, als unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: Denn es wirdt also der Bundt Gottes geschmecht, und sein zorn uber die gantze gemein gereitzet a. Derhalben die Christliche Kirch schuldig ist, nach der ordnung Christi und seiner Aposteln, solche, biß zu besserung ires lebens, durch daß ampt der Schlüssel außzuschliessen.

  • a. 1.Cor.11,20.34. Esai.1,11-15. et 66,3. Ierem.7,21-23. Psal.50,15-23
83

Was ist das ampt der Schlüssel?

Die Predig des heiligen Evangelions, und die Christliche Bußzucht, durch welche beyde stück, daß himmelreich den glaubigen auffgeschlossen, und den unglaubigen zugeschlossen wird.

84

[64] Wie wird das Himmelreich durch die predig des heiligen Evangelions auff und zugeschlossen?

Also: daß nach dem befelch Christi allen und jeden glaubigen verkündigt und offentlich bezeuget wird, daß inen so oft sie die verheissung des Evangelions mit warem glauben annemen, warhafftig alle ire sünden von Gott, umb des verdiensts Christi willen vergeben sind. Und herwiderumb, allen unglaubigen und heuchlern, daß der zorn Gottes und die ewige verdamnuß auff inen ligt, so lang sie sich nit bekeren a: Nach welchem zeugnuß des Evangelii, Gott beide in diesem und zukünfftigen leben urtheilen wil.

  • a. Ioh.20,21-23. Matt.16,19
Der dritte Teil. Von der danckbarkeit.
85

Wie wirdt das Himmelreich zu und auffgeschlossen, durch die Christliche Bußzucht?

Also: daß nach dem befelch Christi, diejenigen so under dem Christlichen namen unchristliche lehr oder [65] wandel führen, nachdem sie etlich mal brüderlich vermanet sein, und von iren irrthumen oder lastern nit abstehen, der kirchen, oder denen so von der kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben vermanung auch nit keren, von inen durch verbietung der heiligen Sacrament auß der Christlichen gemein, und von Gott selbst, auß dem Reich Christi werden außgeschlossen: und widerumb als glieder Christi und der kirchen, angenomen, wenn sie ware besserung verheissen und erzeigen. a

  • a. Matt.18,15-18. 1.Cor.5,3-5.11. 2.Thess.3,14-15. 2.Ioh.1,10.11
86

Dieweil wir denn auß unserm elendt one alle unsere verdienst, auß gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute werck thun?

Darumb, daß Christus, nachdem er uns mit seinem blut erkaufft hat, uns auch durch seinen heiligen Geist ernewert zu seinem ebenbildt, daß [66] wir mit unserm gantzen leben uns danckbar gegen Gott für seine wolthat erzeigen a, und er durch uns gepriesen werde b, Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers glaubens auß seinen früchten gewiß sein c, und mit unserm Gottseligen wandel, unsere nechsten auch Christo gewinnen. d

  • a. Rom.6,13. et 12,1-2. 1.Pet.2,5.9-10. 1.Cor.6,19-20
  • b. Matt.5,16. 1.Pet.2,11-12
  • c. 1.Pet.1,10-11. Matt.7,17-18. Galat.5,5-6.22-25
  • d. 1.Pet.3,1-2. Rom.14,19
87

Können denn die nicht selig werden, die sich von irem undanckbaren unbußfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keinswegs: denn, wie die schrifft saget: Kein Unkeusscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lesterer, Rauber und dergleichen, wird das reich Gottes erben. e

  • e. 1.Cor.6,9-10. Ephes.5,5-6. 1.Ioh.3,14-15
88

In wieviel stücken stehet die warhafftige Buß oder bekerung des menschen?

In zweyen stücken: In absterbung des [67] alten f und aufferstehung des newen menschen.

  • f. Rom.6,4-6. Ephes.4,22-24. Coloss.3,5-10. 1.Cor.5,7
89

Waß ist die Absterbung des alten menschen?

Im die sünde von hertzen lassen leidt sein, und dieselbige je lenger je mehr hassen und fliehen. a

  • a. Rom.8,13. Ioel.2,13
90

Was ist die aufferstehung des newen menschen?

Hertzliche freud in Gott b, und lust und lieb haben nach dem willen Gottes, in allen guten wercken zu leben. c

  • b. Rom.5,1 et 14,17. Esai.57,15
  • c. Rom.6,10-11. Galat.2,19-20
91

Welches seind aber gute werck?

Allein die auß warem glauben d, nach dem Gesetz Gottes e ihm zu ehren geschehen f: und nicht die auff unser gutdüncken oder menschen satzung gegründet sein. g

  • d. Rom.14,23
  • e. 1.Sam.15,22. Ephes.2,10
  • f. 1.Cor.10,31
  • g. Deut.12,32. Ezech.20,18-19. Esai.29,13. Matt.15,7-9
92

[68] Wie laut das Gesetz des HERRN?

Gott redet alle dise wort. a

Das Erste Gebot.
Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich auß Egyptenland, auß dem Diensthauß gefüret habe. Du solt kein ander Götter für mir haben.

Das Ander.
Du solt dir keine Bildnuß noch irgendt ein gleichnuß machen, weder deß, das oben im himmel, noch deß, das unden auff erden, oder deß, das im wasser under der erden ist, Du [69] solt sie nicht anbeten, noch inen dienen. Denn ich der HERR dien Gott, bin ein starcker eyveriger Gott, der die missethat der Väter heimsucht an den Kindern, biß ins dritte und veirde glied, deren die mich hassen: und thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, und meine gebot halten.

Das dritte.
Du solt den Namen des HERREN deines Gottes nicht mißbrauchen, Denn der HERR wird den nicht ungestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das vierde.
Gedenck des Sabbaht tags, [70] daß du ihn heiligest. Sechs tag soltu arbeiten, und alle deine werck thun, aber am sibenden tage ist der Sabbath des HERREN deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, noch dien Son, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine magt, noch dein Vieh, noch der frembdling der in deinen thoren ist. Denn in sechs tagen hat der HERR himmel und erden gemacht, und das mehr, und alles was drinnen ist, und rhuete am sibenden tage, darumb segnete der HERR den Sabbath tag, und heiliget in.

Das Fünffte.
Du solt dein Vater und [71] deine Mutter ehren, auff das du lang lebest im land, das dir der HERR dein Gott gibt.

Das Sechste.
Du solt nit tödten.

Das Sibente.
Du solt nit Ehebrechen.

Das Achte.
Du solt nit stelen.

Das Neünde.
Du solt kein falsch zeugnuß reden wider deinen nechsten.

Das Zehende.
Laß dich nit gelüsten deines nechsten Hauß, Laß dich nit gelüsten deines nechsten weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein Nechster hat.[72]

  • a. Exod.20,1-17. Deut.5,6-18
93

Wie werden diese Gebot geteilt?

In zwo tafeln a, deren die erste in vier gebotten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen halten. Die ander in sechs gebotten, was wir unserm nechsten schuldig sein. b

  • a. Exo.34,28. Deut.4,13. et 10,3-4
  • b. Mat.22,37-40
94

Was erfordert der HERR im ersten gebot?

Daß ich bey verlierung meiner seelen heil und seligkeit alle abgötterey c, zauberey, aberglaubische segen d, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen e meiden und fliehen sol, Und den einigen waren Gott recht erkennen f, im allein vertrawen g, In aller demut [73] h und gedult i, von im allein alles guts gewarten k und in von gantzem hertzen lieben l, fürchten a und ehren b, also daß ich ehe alle creaturen ubergebe, denn in dem geringsten wider seinen willen thue. c

  • c. 1.Cor.6,9-10. et 10,7.14
  • d. Levit.19,31. Deut.18,10-12
  • e. Matt.4,10. Apoc.19,10. et 22,8-9
  • f. Ioh.17,3
  • g. Iere.17,5
  • h. 1.Pet.5,5-6
  • i. Hebr.10,36. Coloss.1,11. Rom.5,3-4. 1.Cor.10,10. Phil.2,14
  • k. Psal.104,27-30. Esai.45,7. Iac.1,17
  • l. Deut.6,5. Matt.22,37
  • a. Deut.6,2. Psal.111,10. Prov.1,7. et 9,10. Mat.10,28
  • b. Mat.4,10. Deut.10,20-21
  • c. Mat.5,29-30 et 10,37-39. Act.5,29.38-39
95

Was ist Abgötterey?

An stat das einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderst dichten oder habe, darauff der mensch sein vertrawen setzt. d

  • d. Ephes.5,5. 1.Par.16,26. Phil.3,19. Gala.4,8. Ephes.2,12. 1.Ioh.2,23. 2.Ioh.1,5-6 Ioh.5,23
96

Was wil Gott im andern Gebot?

Daß wir Gott in keinen weg verbilden e, noch auff irgend eine andere weise, denn er in seinem wort befohlen hat, verehren sollen. f

  • e. Deut.4,15-19. Esai.40,18-25. Rom.1,23-24. Act.17,29
  • f. 1.Sam.15,23. Deut.12,30-32. Mat.15,9
97

Sol man denn gar kein bildnuß machen?

Gott kan und sol keines wegs abgebildet werden: die Creaturen aber, ob sie [74] schon mögen abgebildet werden: so verbeut doch Gott derselbigen bildnuß zu machen und zu haben, daß man sie verehre oder im damit diene. a

  • a. Exo.23,24-25. et 34,13-14. Num.33,51. Deut.7,5. et 12,3. et 16,22. 2.Reg.18,3-4
98

Mögen aber nicht die bilder als der Leyen bücher, in den Kirchen geduldet werden?

Nein: Denn wir nit sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nit durch stumme götzen b, sonder durch die lebendige predig seines worts, wil underwiesen haben. c

  • b. Iere.10,8. Haba.2,18-19
  • c. 2.Pet.1,19. 2.Tim.3,16-17
99

Was wil das dritt Gebot?

Daß wir nicht allein mit fluchen d, oder mit falschem ayde: sonder auch mit unnötigem schweren f den Namen Gottes nicht lestern oder mißbrauchen, noch uns mit unserm stilschweigen und zusehen solcher schrecklichen sünden theilhafftig machen, [75] Und in summa, daß wir den heiligen Namen Gottes anderst nicht, denn mit forcht und ehrerbietung gebrauchen a, auff daß er von uns recht bekent b, angeruffen c, und in all unsern worten und wercken d gepriesen werde.

  • d. Levi.24,10-16
  • e. Levi.19,12
  • f. Matt.5,37. Iac.5,12
  • a. Esai.45,23
  • b. Matt.10,32-33
  • c. 1.Tim.2,8
  • d. Rom.2,24. 1.Tim.6,1. Coloss.3,16-17
100

Ist denn mit schweren und fluchen Gottes Namen lestern, so ein schwere sünd, daß Gott auch uber die zürnet, die, soviel an inen ist, dieselbe nicht helffen wehren und verbieten?

Ja freylich e, Denn keine sünde grösser ist, noch Gott hefftiger erzürnet, denn lesterung seines Namens, Darumb er sie auch mit dem todt zu straffen befohlen hat. f

  • e. Levit.5,1
  • f. Levi.24,15-16
101

Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Ayd schweren?

Ja: Wenn es die Oberkeit von iren [76] underthanen, oder sonst die noth erfordert, trewe und warheit zu Gottes ehre und des nechsten heil dardurch zu erhalten und zu fürdern. Denn solches aydschweren ist in Gottes wort gegründet a, und derhalben von den Heiligen im alten und newen Testament recht gebrauchet worden. b

  • a. Deut.6,13. et 10,20. Esai.48,1. Heb.6,16
  • b. Gen.21,24. et 31,53-54. Esai.9,15.19. 1.Sam.24,22. 2.Sam.3,35. 1.Reg.1,28-30. Rom.1,9. 2.Cor.1,23
102

Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen ayd schweren?

Nein: Denn ein rechtmessiger ayd ist ein anruffung Gottes, daß er als der einig hertzkündiger, der warheit zeugnuß wölle geben, und mich straffen, so ich falsch schwere c, welche ehre denn keiner creaturen gebüret. d

  • c. 2.Cor.1,23
  • d. Mat.5,34-36. Iacob.5,12
103

Was wil Gott in dem vierdten gebot?

Gott wil erstlich, daß das Predigampt und schulen erhalten werden e, und ich sonderlich am [77] feiertag zu der gemeine Gottes vleissig komme, daß wort Gottes a zu lernen b, die heiligen Sacrament zu gebrauchen c, den HERRN offentlich anzuruffen d, und das Christlich almoß zu geben e. Zum andern, daß ich alle tage meines lebens von meinen bösen wercken feyere, den HERRN durch seinen geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem leben anfange. f

  • e. Tit.1,5. 1.Tim.3,14-15. et 4,13-16. et 5,17. 1.Cor.9,11.13-14. 2.Tim.2,2. et 3,15
  • a. Psal.40,10-11. et 68,27. Act.2,42.46
  • b. 1.Cor.14,19.29.31
  • c. 1.Cor.11,33
  • d. 1.Tim.2,1-3.8-10. 1.Cor.14,16
  • e. 1.Cor.16,2
  • f. Esai.66,23
104

Was wil Gott im fünfften gebot?

Daß ich meinem Vater und Mutter, und allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe und trewe beweisen, und mich aller guten lehr und straff, mit gebürlichem gehorsam underwerffen g, und auch mit iren gebrechen gedult haben sol h, dieweil uns Gott durch ihre hand regieren wil. i

  • g. Ephes.5,22. et 6,1-3. Coloss.3,18.20-24. Prov.1,8. et 4,1. et 15,20. et 20,20. Exo.21,17. Rom.13,1
  • h. Prov.23,22. Gen.9,24-25. 1.Pet.2,18
  • i. Ephes.6,4.9. Coloss.3,19.21. Rom.13,2-7. Mat.22,21
105

Was wil Gott im sechsten gebot?

Daß ich meinem nechsten weder [78] mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmehen, hassen, beleidigen oder tödten a: sonder alle raachgirigkeit ablegen b, auch mich seibst nit beschedigen, oder mutwillig in gefahr begeben sol c. Darumb auch die Oberkeit, dem todschlag zu weren, das Schwert tregt. d

  • a. Matt.5,21-22. et 26,52. Gen.9,6
  • b. Ephes.4,26. Rom.12,19. Matt.5,25. et 18,35
  • c. Rom.13,14. Coloss.2,23. Syr.3,27. Mat.4,7
  • d. Gen.9,6. Exo.21,14. Mat.26,52. Rom.13,4
106

Redet doch diß gebot allein von tödten?

Es wil uns aber Gott durch verbietung des Todtschlags lehren, daß er die wurtzel des todschlags, als neid e, haß f, zorn g, Rachgirigkeit, hasset, und daß solches alles für ihm ein heimlicher todtschlag seye. h

  • e. Rom.1,28-32
  • f. 1.Ioh.2,9-11
  • g. Iac.1,20. Galat.5,19-21
  • h. 1.Ioh.3,15
107

Ists aber damit gnug, daß wir unsern nechsten, wie gemelt, nit tödten?

Nein. Denn in dem Gott neid, haß und zorn verdampt: [79] wil er von uns haben, daß wir unsern nechsten lieben als uns selbst a, gegen ihm gedult, friede, sanfftmuth b, barmhertzigkeit c und freundligkeit d erzeigen, seinen schaden, soviel uns möglich, abwenden e und auch unsern feinden guts thun. f

  • a. Matt.7,12. et 22,39
  • b. Ephes.4,1-3. Galat.6,1-2. Matt.5,5. Rom.12,18
  • c. Matt.5,7. Luc.6,36
  • d. Rom.12,10.18
  • e. Exo.23,5
  • f. Matt.5,44-45. Rom.12,20-21
108

Was wil das siebende Gebot?

Daß alle unkeuschheit von Gott vermaledeyet sey g, und daß wir darumb ihr von hertzen feind sein h, und keusch und züchtig leben sollen i, es sey im heiligen Ehestandt oder ausserhalb desselben. k

  • g. Levit.18,27-29
  • h. Iudae.1,22-23
  • i. 1.Thess.4,3-5
  • k. Heb.13,4. 1.Cor.7,4
109

Verbeut Gott in diesem gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen schanden?

Dieweil beyde unser leib und seel tempel des heiligen Geists sein, so wil er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewaren. Verbeut [80] derhalben alle unkeusche thaten, geberden, wort a, gedancken, lust b, und, was den menschen darzu reitzen mag. c

  • a. Ephes.5,3-4. 1.Cor.6,18-20
  • b. Mat.5,27-28
  • c. Ephes.5,18-19. 1.Cor.15,33
110

Was verbeut Gott im achten Gebot?

Er verbeut nicht allein den diebstal d und rauberey e, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch diebstal alle böse stück und anschlege e, damit wir unsers nechsten gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit gewalt oder schein des rechtens f, als unrechtem gewicht g, Elln, maß h, wahre, müntz, wucher i oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen geitz k, und unnütze verschwendung seiner gaben. l

  • d. 1.Cor.6,10
  • e. 1.Cor.5,10
  • f. Luc.3,14. 1.Thess.4,6
  • g. Prov.11,1. et 16,11
  • h. Eze.45,9-10. Deut.25,13-15
  • i. Psal.15,5. Luc.6,35
  • k. 1.Cor.6,10
  • l. Prov.5,16
111

Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebot?

Daß ich meines nechsten nutz, wo ich kan und mag, fürdere, gegen ihm also handle, wie ich wolte daß [81] man mit mir handlete a, und trewlich arbeite, auff daß ich dem dürfftigen in seiner noth helffen mög. b

  • a. Mat.7,12
  • b. Ephes.4,28
112

Was wil das neund gebot?

Daß ich wider niemand falsche zeugnuß gebe c, niemand seine wort verkere d, kein affterreder und lesterer seye e, Niemand unverhört, und leichtlich verdammen helffe f: sonder allerley liegen und triegen, als eigene werck des teufels g, bey schwerem Gotteszorn vermeide h, In gerichts- und allen andern handlungen die warheit liebe, auffrichtig sage und bekenne i, auch meines nechsten ehre und glimpff nach meinem vermögen rette und fürdere. k

  • c. Prov.19,5-6. et 21,28
  • d. Psal.15,3
  • e. Rom.1,18-33
  • f. Mat.7,1-2. Luc.6,37
  • g. Ioh.8,44
  • h. Prov.12,22. et 13,5
  • i. 1.Cor.13,6. Ephes.4,25
  • k. 1.Pet.4,8
113

Was wil das zehend Gebot?

Daß auch die geringste lust oder gedancken [82] wider irgend ein gebot Gottes, in unser hertz nimmermehr komen: sonder wir für und für von gantzem hertzen aller sünde feind sein, und lust zu aller gerechtigkeit haben sollen. a

  • a. Rom.7,7-8
114

Können aber die zu Gott bekert sind, solche gebot volkömlich halten?

Nein: Sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsams b, doch also, daß sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen gebotten Gottes anfangen zu leben. c

  • b. 1.Ioh.1,8-10. Rom.7,14-15. Eccles.7,21
  • c. Rom.7,22-23. Iac.2,10-11
115

Warumb lest uns denn Gott also scharff die zehen Gebot predigen, weil sie in diesem leben niemand halten kan?

Erstlich auf daß wir unser gantzes lebenlang unser sündliche art je lenger je mehr erkennen d, [83] und soviel desto begiriger vergebung der sünden und gerechtigkeit in Christo suchen a. Darnach daß wir one underlaß uns befleissen, und Gott bitten umb die gnade des heiligen Geists, daß wir je lenger je mehr zu dem ebenbild Gottes ernewert werden, biß wir das ziel der volkommenheit nach diesem leben erreichen. b

  • d. 1.Ioh.1,9. Psal.32,5
  • a. Rom.7,24-25
  • b. 1.Cor.9,24-25. Phil.3,11-14
116

Warumb ist den Christen das gebet nötig?

Darumb, daß es das fürnembste stück der danckbarkeit ist, welche Gott von uns erfordert c, Und daß Gott seine genade und heiligen Geist allein denen wil geben, die ihn mit herzlichem seufftzen one underlaß darumb bitten, und im darfür dancken. d

  • c. Psal.50,14-15
  • d. Matt.7,7-8. et 13,12. Luc.11,9-10.13
117

[84] Was gehöret zu einem solchen gebett das Gott gefalle, und von im erhöret werde?

Erstlich daß wir allein den einigen waren Gott, der sich uns in seinem wort hat offenbaret a, umb alles daß er uns zu bitten befohlen hat b, von hertzen anruffen c. Zum andern, daß wir unsere noth und elend recht gründlich erkennen d, uns für dem angesicht seiner Maiestet zu demütigen e. Zum dritten, daß wir diesen festen grund haben f, daß er unser gebett, unangesehen daß wirs unwirdig seind, doch umb des HERRN Christi willen gewißlich wölle erhören g, wie er uns in seinem wort verheissen hat. h

  • a. Ioh.4,22-24
  • b. Rom.8,26-27. 1.Ioh.5,15
  • c. Ioh.4,23-24
  • d. 2.Pa.20,12
  • e. Psal.2,11. et 34,19. Esai.66,2
  • f. Rom.10,14. Iac.1,6-8
  • g. Ioh.14,13-16. Dan.9,17-18
  • h. Mat.7,8. Psal.143,1
118

Was hat uns Gott befohlen von im zu bitten?

Alle geistliche und leibliche notturfft i, welche der HERR Christus begriffen [85] hat in dem Gebett, das er uns selbst gelehret.

  • i. Iacob.1,17. Mat.6,33
119

Wie lautet dasselbe?

Unser a Vater der du bist in himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein wil geschehe, auff erden wie im himmel. Unser teglich brod gib uns heut. Und vergib uns unser schult, als auch wir vergeben unsern schuldigern. Und füre uns nicht in versuchung, sonder erlöse uns vom bösen. Denn dein ist das reich, und die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, Amen.

  • a. Matt.6,9-13. Luc.11,2-4
120

Warumb hat uns Christus befohlen Gott also anzureden, Unser Vater?

Daß er [86] gleich im anfang unsers gebetts in uns erwecke die kindliche furcht und zuversicht gegen Gott, welche der grund unsers gebets sol sein: Nemlich, daß Gott unser Vater durch Christum worden sey, und wölle uns viel weniger versagen, warumb wir in im glauben bitten, denn unsere Väter uns irdische ding abschlagen. a

  • a. Matt.7,9-11. Luc.11,11-13
121

Warumb wird hinzugethan, Der du bist in himmeln?

Auff daß wir von der himlischen Maiestet Gottes, nichts irdisch gedencken b, und von seiner allmechtigkeit alle notdurfft leibs und der seelen gewarten. c

  • b. Iere.23,23-24. Act.17,24-25.27
  • c. Rom.10,12
122

Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde [87] dein Name, das ist, gib uns erstlich daß wir dich recht erkennen a, und dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine allmechtigkeit, weißheit, güte, gerechtigkeit, barmhertzigkeit und warheit, heiligen, rhümen und preisen b. Darnach auch daß wir unser gantzes leben, gedancken, wort und werck dahin richten, daß dein Name umb unsert willen nit gelestert, sonder geehret und gepriesen werde. c

  • a. Ioh.17,3. Mat.16,17. Iac.1,5. Psal.119,105
  • b. Psal.119,137-138. Rom.11,22.33
  • c. Psal.71,8. et 115,1
123

Was ist die ander Bitt?

Zukom dein Reich, daß ist, Regiere uns also durch dein wort und geist, daß wir uns dir je lenger je mehr underwerffen d: erhalt und mehre deine kirchen e, und zerstöre die werck des Teuffels, und allen gewalt der sich wider dich erhebt, und alle böse rahtschlege, die wider dein heiliges wort erdacht werden f, biß die volkommenheit deines Reichs hertzu komme g, darin du wirst alles in allen sein. a

  • d. Matt.6,33. Psal.119,5. et 143,10
  • e. Psal.51,20. et 122,6-7
  • f. 1.Ioh.3,8. Rom.16,20
  • g. Apoc.22,17.20. Rom.8,22-23
  • a. 1.Cor.15,28
124

[88] Was ist die dritte Bitt?

Dein Wil geschehe auff erden wie im himmel, das ist, verleihe daß wir und alle menschen unserm eigenen willen absagen b, und deinem allein guten willen one alles widersprechen gehorchen c, daß also jederman sein ampt und beruff so willig und trewlich außrichte d, wie die Engel im himmel. e

  • b. Matt.16,24. Tit.2,11-12
  • c. Luc.22,42
  • d. 1.Cor.7,24
  • e. Psal.103,20-21
125

Was ist die vierde Bitt?

Gib uns heut unser teglich brod, das ist, wollest uns mit aller leiblichen notdurfft versorgen f, auff daß wir dardurch erkennen, daß du der einig ursprung alles guten bist g, und daß one deinen [89] segen, weder unsere sorgen und arbeit, noch deine gaben uns gedeien a, und wir derhalben unser vertrawen von allen Creaturen abziehen, und allien auff dich setzen. b

  • f. Psal.104,27-28. et 145,14-15. Matt.6,25-26
  • g. Act.14,17. et 17,27-28
  • a. 1.Cor.15,58. Deut.8,3. Psal.37,16-17
  • b. Psal.55,23. et 62,11
126

Was ist die fünffte Bitt?

Vergib uns unsere schuld, als auch wir vergeben unsern schuldigern, das ist, wollest uns armen sündern alle unsere missethat, auch das böse, so uns noch immerdar anhenget umb des bluts Christi willen nicht zurechnen c, wie auch wir diß zeugnuß deiner gnad in uns befinden, daß unser gantzer fürsatz ist, unserm nechsten von hertzen zuverzeihen. d

  • c. Psal.51,1-5. et 143,2. 1.Ioh.2,1-2
  • d. Mat.6,14-15
127

Was ist die sechste Bitt?

Und füre uns nit in versuchung, [90] sonder erlöse uns vom bösen, das ist, dieweil wir auß uns selbst so schwach sein, daß wir nit einen augenblick bestehen können a, und darzu unsere abgesagte feind, der Teufel b, die welt c, und unser eigen fleisch d, nit auffhören uns anzufechten: so wollest uns erhalten und stercken durch die krafft deines heiligen Geistes, auff daß wir inen mögen festen widerstand thun, und in diesem geistlichen streit nit unden ligen e, biß daß wir entlich den sieg volkomlich behalten. f

  • a. Ioh.15,5. Psal.103,14-16
  • b. 1.Pet.5,8. Ephes.6,12
  • c. Ioh.15,19
  • d. Rom.7,23. Galat.5,17
  • e. Mat.26,41. Mar.13,33
  • f. 1.Thess.3,13. et 5,23-24
128

Wie beschleust du diß Gebet?

Denn dein ist das reich, die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, das ist, Solchs alles bitten wir darumb von dir, daß du als unser König, und aller ding mechtig, uns alles guts geben willst, und kanst [102] g, und daß dadurch nicht wir, sonder dein heiliger Name ewig sol gepriesen werden. h

  • g. Rom.10,11-12. 2.Pet.2,9
  • h. Ioh.14,13. Psal.115,1
129

[91] Was bedeut das wörtlein, Amen?

Amen heist, das sol war und gewiß sein. Denn mein gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem hertzen füle, daß ich solches von ihm begere. a

  • a. 2.Cor.1,20. 2.Tim.2,13